Aus der Vereinsgeschichte der Schützenbruderschaft St. Jodokus in Wormbach

Da nur wenige schriftliche Unterlagen vorhanden sind, lässt sich die Geschichte der Schützenbruderschaft St. Jodokus in Wormbach nicht durchgängig verfolgen. Besonders vor 1900 gibt es nur wenige Anhaltspunkte über das Bestehen der Bruderschaft, die zu unterschiedlichen Zeiten auch als Schützengesellschaft oder Schützenverein bezeichnet wurde.


Auf der Suche nach historischen Informationen über die Schützenbruderschaft stieß man im Jahr 1979 im Pfarrarchiv auf eine Urkunde vom 21. Oktober 1525 ("Elftausend-Jungfern-Tag" – dem Gedenktag der heiligen Ursula). Da mit diesem Fund das Bestehen der Bruderschaft zum ersten Mal schriftlich nachgewiesen werden konnte, gilt seitdem das Jahr 1525 als Gründungsjahr.



Die Urkunde enthält folgenden Text:

“Hans Becker in Niederberndorf und seine Frau Katharina verkaufen ihre Wiese an den Brendebroke unter Berndorf, die ihnen vom verst. Vater zum Brautschatz gegeben ist, der St. Jostes-Bruderschaft in der Wormbacher Pfarrei...“


Gemäß dieser Urkunde existierte zu Anfang des 16. Jahrhunderts bereits eine Bruderschaft in der Pfarrei Wormbach. Der Schutzpatron dieser Bruderschaft war der heilige Jodokus. Im Lexikon für Theologie und Kirche wird Jodok als Jodokus, Joos, Jobst, Jost, Josse aufgeführt. Sein Gedenktag wird am 13. Dezember in der Kirche begangen. Jodok, auch Jost genannt, war der Sohn eines bretonischen Fürsten. Jodok soll um 640 auf seinen weltlichen Herrschaftsanspruch verzichtet haben und wurde zunächst Priester, ab 644 lebte er als Einsiedler an verschiedenen Orten. 665 gründete er in Runiac eine Einsiedelei, die Keimzelle der später nach ihm benannten Benediktinerabtei Saint-Josse-sur-Mer. Nach mehreren Jahren auf Pilgerfahrt nach Rom verstarb er ungefähr 668/669. 


Jodokus gilt als Schutzpatron gegen Krankheiten, insbesondere der Pest. Im Mittelalter wurde Europa von verheerenden Seuchen heimgesucht, wobei die Pest an erster Stelle stand. Von 1348 bis 1666 vergingen nur wenige Jahrzehnte ohne Epidemien. Während des Höhepunkts der Seuche betrug die Sterblichkeit alarmierende 95 %. Menschen, die vom qualvollen Tod bedroht waren und die Ursache der Krankheit nicht kannten, suchten Zuflucht bei sogenannten Pestheiligen. Einer von ihnen war der heilige Jodokus.


Es ist daher nicht überraschend, dass dieser Heilige auch im Sauerland verehrt wurde. Die Pfarrkirche in Saalhausen hat ihn als Kirchenpatron. Es ist daher durchaus nachvollziehbar, dass sich in der uralten Pfarrei Wormbach eine Bruderschaft formte. Ihre Aufgabe bestand darin, durch die Verehrung des heiligen Jodokus ein Mittel gegen die furchtbare Pestkrankheit zu haben. Möglicherweise verpflichtete die Mitgliedschaft in dieser Bruderschaft auch zu einem besonderen Dienst für die Pestkranken.


Diese Bruderschaften, meist Laienvereinigungen, widmeten sich, ähnlich den Gilden in den Städten, religiösen, karitativen oder anderen sozialen Aufgaben. Oftmals gehörte buntes Brauchtum zu diesen Bruderschaften. Sie pflegten eigene Andachten, Prozessionen, Wallfahrten und manchmal sogar besondere Kleidung und Bruderschaftsabzeichen.


Ob das Vogelschießen schon damals zum Brauchtum der St. Jostes-Bruderschaft gehörte, bleibt leider unbekannt.


In den folgenden zwei Jahrhunderten gibt es keine Aufzeichnungen über diese Bruderschaft. Erst im Jahr 1769 erfahren wir erneut von der Existenz einer Schützenbruderschaft in Wormbach. Am 4. Juli 1769 gibt es eine gerichtlich beglaubigte Obligation über 40 Reichstaler im Wormbacher Pfarrarchiv. Auf der Rückseite bescheinigt P. Burkhardus Buse, Prior, dass 20 Reichstaler nun dem Pfarrer zu Wormbach und die anderen 20 Reichstaler der Schützenbruderschaft gehören, die das Kapital von Linnemann zu Fleckenberg erworben hat. Jodokus Kleine, Pastor zu Wormbach, bestätigt als Vorsteher der Bruderschaft, dass der Tausch mit Zustimmung der vornehmsten Schützenbrüder erfolgte.


Diese Urkunde belegt also, dass es im 18. Jahrhundert eine Schützenbruderschaft in Wormbach gab. Mit einiger Sicherheit lässt sich sagen, dass es sich dabei wahrscheinlich um die St. Jostes-Bruderschaft von 1525 handelt. Ein weiteres Jahrhundert verstreicht, ohne dass wir etwas über die Schützenbruderschaft in Wormbach erfahren.


Erst aus den Kirchenbüchern von Wormbach geht hervor, dass Fleckenberg schon seit Hunderten von Jahren zur Schützenbruderschaft Wormbach gehört, da Fleckenberg auch kirchlich hierher gehörte. Im Jahr 1856 empfahlen die geistlichen Herren während einer Volksmission, in den zugehörigen Ortschaften eigenständige Schützenvereine zu gründen. So gründete im Jahr 1857 Niederfleckenberg mit Oberfleckenberg und Jagdhaus die Schützengesellschaft Fleckenberg. Durch diese Trennung war Wormbach mit seinen kleinen Ortschaften nicht mehr in der Lage, einen Verein zu führen und ein Schützenfest zu veranstalten.


Die Bruderschaftsfahne wurde damals der noch allein bestehenden Fleckenberger Schützengesellschaft überlassen. Diese traditionsreiche Fahne, die auf etwa 300 Jahre geschätzt wird, ist auch heute noch unsere Bruderschaftsfahne. Aufgrund der geringen Mitgliederzahlen konnte die alte Schützenbruderschaft aus Wormbach angeblich nicht mehr fortbestehen, und die umfangreichen Liegenschaften fielen an die Kirchengemeinde Wormbach. So klein konnte das Interesse an einer Schützenbruderschaft in Wormbach aber nicht gewesen sein. Im Jahre 1867, also nur zehn Jahre später, kam es zur Neugründung, diesmal eines Schützenvereins in Wormbach. In den noch vorhandenen Original-Statuten heißt es:

  • Der Schützenverein ist eine Gesellschaft zur Feier eines anständig fröhlichen Volksfestes unter dem Namen eines Schützenfestes, bei dem jede Standesverschiedenheit wegfällt.
  • Die Feier dieses Festes soll jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem Patronatsfest Peter und Paul stattfinden und zwei Tage dauern.
  • Alle Eingesessenen der Gemeinde Wormbach sind zur Teilnahme berechtigt, sofern hinsichtlich der Moralität ihrer Aufnahme keine Bedenken entgegenstehen.

Verzeichnet sind auch die Namen der Schützenkönige:

  • 1867: Peter Heller in Wormbach, 
  • 1868: Johannes Althaus in Harbecke, 
  • 1869: Friedrich Lückel in Obringhausen, 
  • 1870: Josef Schütte in Wormbach.

Im Jahr 1868 zählte der Schützenverein 123 namentlich aufgeführte Mitglieder. Mitgliederlisten aus den Jahren bis 1873 sind vorhanden. Bis auf ein Kurzprotokoll aus dem Jahr 1890 gibt es jedoch keine Informationen über die Aktivitäten des Schützenvereins Wormbach bis zum Jahr 1900.


In der Generalversammlung vom 4. Februar 1900 wurde eine neue Satzung für den "Schützenverein zu Wormbach" beschlossen. Besonders interessant dürfte für die Nachkommen sein, wie im Antrag an den Landrat die Bitte um Genehmigung der Satzung und die Durchführung des Schützenfestes begründet wurde.


Da heißt es unter dem 11. Februar 1900: 

„Zur Begründung unserer Bitte gestatten wir uns ganz gehorsamst zu bemerken, daß die Schulgemeinde Wormbach, umfassend die Ortschaften Wormbach, Werpe, Harbecke, Felbecke, Selkentrop, Ebbinghof und Obringhausen, jedes anderen Volksfestes entbehrt, dahingegen aber in einigen Ortschaften desto üppiger die sogenannte Winkeltänzerei gehandhabt wird. Wir befinden uns deshalb in der angenehmen Lage, zu der Feier eines Volksfestes auch die Zustimmung unserer hochw. Geistlichkeit für uns zu haben, weil durch die Feier eines Festes, welches unter Aufsicht und Teilnahme der vorgesetzten Behörde und der hochw. Geistlichkeit stattfindet der nachteiligen Winkeltänzerei der größte Abbruch getan wird...”


Um die Zustimmung der Kirche zu erhalten, wurde mit Pastor Rath folgende Vereinbarung getroffen: Der erste Festtag musste spätestens um 23 Uhr enden, und der zweite Festtag sollte spätestens um 24 Uhr beendet sein.

Diese Vereinbarung wurde jedoch ohne Zustimmung des Gemeindevorstehers getroffen, der gleichzeitig Kriegerhauptmann war. Nachdem er seine Bedenken beim Landrat vorgebracht hatte, wurde das Schützenfest im Jahr 1900 verboten. Erst nach einer persönlichen Aussprache mit Pastor Rath wurde die Erlaubnis erteilt, das Schützenfest mit nur einem Tag Dauer zu feiern. Diese Lösung verstärkte eher den bereits vorhandenen Streit in der Gemeinde, anstatt ihn zu schlichten. Die anhaltenden Sticheleien auf den Festen und bei anderen Gelegenheiten hielten bis zur Zeit der Nazi-Diktatur an.


Ab dem Jahr 1900 gibt es fortlaufende Protokolle und Belege zur Vereinsgeschichte, mit Ausnahme der Jahre 1928 bis 1939, die durch den Krieg vernichtet wurden.


In der Satzung vom 4. Februar 1900 wurde als Zweck für den Verein folgendes festgelegt:

a) Die Liebe und Treue für Vaterland und Altar zu pflegen, zu betätigen und zu stärken;

b) vaterländische Gedenktage zu begehen;

c) die Leichen verstorbener Mitglieder in corpore zur Gruft zu geleiten;

d) alljährlich ein gemeinschaftliches öffentliches Volks- und Familienfest am dritten Sonntag und den folgenden Tag im Monat Juni zu feiern.


Der Schützenverein bildete den Grundstein für ein lebendiges Vereinsleben in der Gemeinde. Lediglich in den Jahren 1915 bis 1920 (Erster Weltkrieg und erste Nachkriegsjahre), 1923 (Spartakusaufstand), 1940 bis 1946 (Zweiter Weltkrieg) und 2020/2021 (COVID-19-Pandemie) fanden keine Schützenfeste statt.


Nachdem der Kauf eines eigenen Festzeltes aufgrund von entwerteten Aktien, die an alle Mitglieder ausgegeben wurden, gescheitert war, gelang es bereits im Jahr 1926 durch den großen Einsatz aller Mitglieder, eine eigene Schützenhalle zu bauen. Diese wurde mit großem Einsatz und der Hilfe aller Schützenbrüder nicht nur ständig erweitert, sondern auch zu einem Schmuckstück ausgebaut. Heute dient die Halle nicht nur der Schützenbruderschaft, sondern steht auch allen anderen Vereinen als Veranstaltungs- und Tagungsstätte zur Verfügung.


Ein bedeutendes Datum in der Geschichte der Schützenbruderschaft Wormbach ist der 19. Oktober 1947. An diesem Tag fand eine außerordentliche Generalversammlung statt, bei der es zur Neugründung der Schützenbruderschaft St. Jodokus kam.


Im Protokoll heißt es:

“2. Schützenverein oder Schützenbruderschaft. Zu diesem Punkt der Tagesordnung hielt Pfarrer Dechant Rüsing eine sehr lange Ansprache, in der vor allem die alte Tradition und Bedeutung der Schützenbruderschaft herausgestellt wurde. Im Anschluss daran fand die geheime Wahl statt. Es wurden 31 Stimmen abgegeben, also 100-prozentige Wahlbeteiligung. Von diesen abgegebenen Stimmen waren 29 für die Schützenbruderschaft und 2 Stimmen dagegen. Es wurde also mit überwältigender Mehrheit die Schützenbruderschaft angenommen.


Am 12. März 1950 wurde die neue Satzung dieser Schützenbruderschaft in der Generalversammlung genehmigt. Darin heißt es:


„Name und Sitz: Die St. Jodokus-Schützenbruderschaft in Wormbach ist eine Vereinigung von Männern, die das Ideal der kath. historischen Schützenbruderschaft vertritt und zum Diözesanverband vom hl. Sebastian im Erzbistum Paderborn gehört.


Sie hat ihren Sitz im Pfarrdorf Wormbach und ist kirchlich mit der Pfarrkirche Sankt Peter und Paul verbunden.

Zweck: Gemäß den Normalsatzungen der historischen deutschen Schützenbruderschaften ist die St. Jodokus-Schützenbruderschaft in Wormbach bestrebt, unter ihren Mitgliedern und in weiteren Kreisen.

  1. die Pflege des religiösen Lebens, insbesondere die Verehrung des hl. Altarssakramentes und die Heiligung des Sonntags zu fordern,
  2. die Werke der christlichen Nächstenliebe zu üben,
  3. an der Bildung und Erhaltung eines gesunden Volkstums auf der Grundlage christlicher Sitte mitzuarbeiten,
  4. für die staatsbürgerliche Erziehung nach den Grundsätzen des kath. Glaubens tätig zu sein.“

Ein weiteres bedeutsames Ereignis für die Schützenbruderschaft war der 29./30. September 1979. An diesen Tagen wurde die Vereinsfahne eingeweiht, die von den Schwestern des Benediktinerinnenklosters in Tettenweis (Niederbayern) hergestellt worden war. Bei einem großen Fest unter Beteiligung einer Musik- und Trachtengruppe aus dem Ötztal in Tirol weihte Pfarrer Bernhard Starke die neue Fahne ein. Auf der Fahne wird als Gründungsjahr 1525 angegeben, da hier erstmals von der St. Jostes-Bruderschaft die Rede ist, der direkten und legitimen Vorgängerin der heutigen Schützenbruderschaft.

Nach dem Fund der Urkunde von 1525 wurde zur Feier des 455-jährigen Bestehens im Jahr 1980 das erste Jubiläumsschützenfest gefeiert. Da die Existenz der Urkunde im 450. Jahr des Bestehens 1975 noch unbekannt war, wurde das Jubiläum kurzerhand 5 Jahre später gefeiert. An der neu eingeweihten Schießanlage im Pfarrwald oberhalb des Pfarrhauses wurde mit Josef Grobbel aus Obringhausen der erste Kaiser in der Vereinsgeschichte ermittelt.

Im Jahr 1985 bot sich die Gelegenheit, oberhalb der Schützenhalle eine zusätzliche Fläche zu erwerben. Diese wurde genutzt, um den Außenbereich der Halle attraktiver zu gestalten. 


Das 6. Stadtschützenfest wurde am 7. und 8. September 1991 von der Schützenbruderschaft Wormbach ausgerichtet. Mit 1500 Teilnehmern aus Schützen- und Musikvereinen der Stadt Schmallenberg fand ein großer Festzug durch den Ort Wormbach statt. Um einen gemütlichen Festablauf zu garantieren, wurde neben der Hawerlandhalle ein großes Lakenzelt aufgestellt.


Im Jahr 1993 wurde der Glockenstuhl in der St. Peter und Paul Kirche in Wormbach erneuert. Das Geläut wurde um eine vierte Glocke erweitert, die am 17. Dezember 1993 in Sinn (Hessen) gegossen wurde. Die neue Glocke ist eine Stiftung der Schützenbruderschaft St. Jodokus und trägt die Inschrift:

“Heiliger Jodokus bitte für Wormbach und segne unsere Schützenbrüder” 

Das 475-jährige Jubiläum wurde vom 11. bis 13. August 2000 mit einem feierlichen Jubiläumsschützenfest begangen. Nach einem spannenden Kaiserschießen wurde Bernhard Geueke zum Kaiser gekürt, als Kaiserin stand ihm seine Frau Cordula zur Seite.

Von 1525 bis 2025 erstreckt sich eine lange Zeit mit einer äußerst facettenreichen Geschichte. Auch die Schützenbruderschaft St. Jodokus in Wormbach spiegelt in ihrem Werdegang die Höhen und Tiefen der Weltgeschichte wider. Es ist jedoch besonders bemerkenswert, dass trotz der oft herausfordernden Zeiten in unserer Region immer wieder Menschen gefunden wurden, die sich mal mehr, mal weniger bewusst für die Ideale der Schützenbruderschaften – "Glaube-Sitte-Heimat" – in unserer Gemeinde Wormbach einsetzen. Durch die Ausrichtung zahlreicher fröhlicher Dorffeste trugen sie dazu bei, dass die Werte Liebe, Freundschaft und Geselligkeit auch heute noch in unserer Gemeinschaft positiv wahrgenommen werden.